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Eine Stadt, eine Mission
Tschechische Hauptstadt übersteht 70-stündige Feierorgie

Vom 1. bis 4. Mai 2008 fuhren 23 Männer und ein Plüschtiger in einem Bus nach Prag. Abfahrt war Donnerstag Nacht um kurz nach 1 Uhr. Oliver C. König - einer der Gefährten - wurde tags zuvor selige 37 Jahre jung. Treffpunkt war also im Sonnenweg. Sonnig war da bereits der Zustand einiger Konsorten. Herrn Königs Geburtstagsparty wurde dankend zum Anlass genommen, sich optimal auf die lange Fahrt einzustimmen. Oder mögen wir sagen, einzutrinken. So war es also etwa 1 Uhr, als unsere Busfahrer Kes & Tim mit ihrem Vehikel die Burghalde hoch gurkten, um das gutgelaunte Gesindel abzuholen. Das Gepäck war schnell verstaut, die ca. 20 Kisten Bier fanden auch ihren Platz und die Fahrt konnte beginnen.

Tim "ermahnte" die Reisenden ein paar Vorschriften einzuhalten und äußerste den Wunsch, erst einmal eine längere Zeit durch zu fahren. Erste Pinkelpause war in Glatten. Soviel dazu. Ohnehin erwiesen sich die ersten 30 Kilometer als unerwartet stockend, da ein paar Scherzkekse meinten, in der Maiennacht das ein oder andere Umleitungsschild vertauschen zu müssen. Doch nichts konnte die sangesfreudige Truppe aufhalten. Rolf und Fabi bliesen unermüdlich zur "Attacke" und so zog der Saufexpress Kilometer um Kilometer weiter in den Osten. Die Nacht verging, der Morgen erschien. Zum entsetzen aller Tschechen rückte so die Stunde Null immer näher. Es dürfte zwischen 8 und 9 Uhr gewesen sein, als man die Grenze passierte. Zum Erstaunen Aller wurde die Einreise gewährt. Der Invasion stand also nichts mehr im Weg...

Die Sonne lachte als der Bus aus dem Schwabenland die Autobahnausfahrt nach Praha nahm und anschließend durch selbige Stadt fuhr. Es dauerte nicht lange und das Hotel war gefunden. Doch einchecken durfte man erst zwei Stunden später. Wir gehen davon aus, dass das Hotelpersonal höchstwahrscheinlich die anderen Gäste erst evakuieren wollte. Drum fuhr man erstmal per Linienbus nach Chodov (Stadtteil) zum Einkaufszentrum. Scheinbar ist in der Tschechischen Republik ab Mai Paarungszeit. Jedenfalls kleideten sich so die weiblichen Eingeborenen. Natürlich wurde diesbezüglich keine Aufmerksamkeit erbracht und lediglich schnellstmöglich nach etwas Essbarem gesucht. Die einen hatten Glück und fanden eine Pizzeria, die anderen eine Imbissbude, deren Hamburger aus rohem Fleisch bestand. Andere Länder, anderes Essen.

Als das Hotel evakuiert war, wurden nun die Zimmer bezogen. Drei Mann pro Zimmer. In Nummer 439 fehlte, sehr zum Leidwesen von Mörf, eine Bettdecke + Kissen. Doch dieser hatte "Mut zur Lücke" und wusste sich zu helfen. Er schnappte sich in tiefer Nacht vom schlummernden Gilligan dessen Decke. Doch bevor Schlafenszeit war, machte man den Wenzelsplatz unsicher. Auf der Suche nach einem exotischen Laden marschierte die Truppe Prags berühmteste Straße hinauf und hinunter. Ohne zählbaren Erfolg. Nur die unzähligen dunklen Figuren, die aus jeder Ecke kamen und von denen jede angeblich am besten wusste, in welchen "ficki-ficki-free-entry-free-beer"-Club wir gehen sollten, wurden minütlich mehr.
Letztendlich landete man im DC1: Die Musik war gut, manch eine Tschechin vergaß ihre Beinbekleidung gänzlich, einen Kurzen gab's umsonst. Hat sich also unterm Strich gelohnt. Nicht gelohnt hat es sich zu späterer Stunde zur Metro zu laufen. Um ins Hotel zurück zu kehren, blieb also nur noch eine Fahrt mit dem Taxi. Verkehrsregeln scheinen in unserem Nachbarland wohl auch nicht zu gelten.

Da noch reichlich Gerstensaft in den Zimmern vorhanden war, setzte sich das Saufgelage in der Hotel-Lobby fort. Zum Missfallen des Hotelpersonals schluckte manch einer das Bier etwas zu laut. Auch George, der sich über das Erscheinungsbild der Hausdame ("des isch doch a Transe") lustig machte - und diese ihn dann zu seinem Entsetzen leider verstanden hatte - trug nicht unbedingt dazu bei, dass
der Aufenthalt im Hotel für die nächsten zwei Tage garantiert war. Es war wohl besser sich nun in die Gemächer zurück zu ziehen. Vorausgesetzt man hat sie auch gefunden. (Martin)
Die meisten fanden zu ihrer wohlverdienten Nachtruhe. Nur Zimmer 439 inklusive Sepp fiel aus der Rolle. Veterano hieß der böse Geist, der den Lärmpegel des Zimmers deutlich erhöhte. Doch irgendwann hat jedes Gelage sein Ende und auch Zimmer 439 war gegen 5 Uhr verstummt.

 

Tag 2:

Dem ersten Rausch folgte das erste Frühstück. Geschmacksache. Bevor man erneut Chodov anvisierte, wurde über die Mittagszeit Zimmer 433 belagert. Der Abend rückte näher und ebenso die Vorfreude auf den bevorstehenden abendlichen Ausgang. Die Horde wurde also ein zweites mal auf die Goldene Stadt losgelassen. Doch der Himmel selbst wollte dies anscheinend verhindern und legte in Form von Wind und Wolkenbruch sein (berechtigtes) Veto ein. Drum konnte die Besetzung der Altstadt erst mit Verzögerung beginnen. Gedürstet hat es das Schwabenvolk nicht nur nach Pivo (tschech. = Bier) sondern auch nach Kultur. In der Tat - ihr Ungläubigen - Prag hat eine sehenswerte Altstadt. Am Marktplatz trennten sich die Wege. Hunger lockte den Großteil in ein Restaurant. Walle, Fabi, Fried, Tim, Murcs und Benno wollten diese lästige Nahrungsaufnahme überspringen und suchten nach einem schattigen Plätzchen in einer Kneipe. Dieser war auch sogleich gefunden und ehe man sich's versah, standen drei (sehr große) Gläser Absinth vor ihnen.

Wieder vereint, wanderte man durch die Prager Innenstadt, auf der Suche nach einem Ort zum abfeiern. Erneut trennten sich die Wege. Fabi und Walle zogen allein ihre Kreise. Sepp, Tim, Murcs, Fried und die Gebrüder Heinzelmann wollten in das Karlovy Lazny. Der Rest begab sich ebenfalls in unbekanntes Terrain, sollte dies aber nicht bereuen. Außer Tweety, der es versäumte, in dieser Nacht Englisch zu lernen. (Wer Genaueres wissen will, muss sich an Mörf, Meez, Benno, Adel, Sitzi, Ralle oder Tweety selbst wenden)

Details können nur über die zweite Gruppe berichtet werden. Diese wollte also in das Karlovy Lazny. Da jedoch eine ca. 100 Meter lange Schlange einem jegliche Lust auf Tschechiens größte Diskothek nahm, begab man sich in einen fast angrenzenden, wesentlich kleineren Club am Rande der Moldau (für alle Unwissenden: das ist der Fluss, der durch Prag fließt). Der Club hatte drei Etagen. Die oberste bot nur Sitzmöglichkeiten an, die mittlere war überfüllt. So platzierten sich die sechs Durstigen im dritten Floor direkt neben die Theke. Hervorragende Bedingungen also für eine rauschende Nacht. Die Musik war angenehm und das Tanzbein wurde geschwungen. Außenstehende kamen sich wohl eher wie in einer Mischung aus Karate-Kurs und Ballettunterricht vor, dies störte aber nicht im geringsten. Die sechs Gefährten hatten tierischen Spaß. Doch dann geschah Folgendes:

Fried kam von der Toilette zurück. Als er wieder auf die Tanzfläche wollte, sprach ihn eine ca. 25 Jahre alte Tschechin an. Da sie wusste, das dies keine Einheimischen sein konnten, versuchte sie es in Englisch. "Eey, werr du ju kom frrom". Fried, höflich und besoffen wie er war, antwortete natürlich: "We are from Germany" Nach ein paar Sätzen Small Talk vernahm Fried plötzlich folgende Worte: "Arr ju gäi??" Fried, dessen sämtliche Synapsen und Hirnwindungen die Form eines Fragezeichens annahmen, brauchte ein paar Augenblicke um zu realisieren, was er da gerade gefragt wurde. Anschließend brachte er nur ein "ähh...nooo" und ein Kopfschütteln zu stande. Daraufhin wollte die Tschechin wissen "arr jor frränds gäi?". Fried, der mittlerweile die versteckte Kamera vermutete und nach ihr suchte, antwortete mit einem "No, they are also not". Er schaute in diesem Moment rüber zu den anderen und musste sehen, wie Rolf und Sepp eng umschlungen, die Hüften kreisend, miteinander ihr Bestes gaben. Was wiederrum Frieds Bemühungen, aus dieser Geschichte heil herausrauszukommen, nicht gerade bekräftigte.

Nach ein paar weiteren Augenblicken fragte er sie trotzdem, wie sie denn darauf komme. Die blonde Pragerin meinte dann nur - ich übersetz gleich mal - "Ihr wisst aber schon, dass ihr hier auf einer Schwulen-Party seid".
Fried zweifelte nun an seinem Verstand und machte den Absinth, den er zuvor in einer Bar getrunken hatte, für diese Situation verantwortlich. Doch es half alles nichts. Die Tschechin versicherte ihm ein weiteres mal, dass in diesem Floor heute Gayparty ist. Fried fragte sie, warum sie denn dann hier sei. Darauf die Osteuropäerin: "Ich begleite nur meinen Bruder, der hatte kürzlich sein Coming-Out und ich will ihn unterstützen." Sie zeigte Fried ihren Bruder, der zwei Meter hinter ihr, schüchtern, mit Hochwasserhosen, einem kackbrauen Pulli und verschränkten Beinen auf einem Stuhl saß. Fried war sofort klar, hier sind sie im tschechischen San Fransisco gelandet. Er drehte sich in alle Richtjgen um und da fiel ihm auf einmal auf, dass keine einzige Frau auf der Tanzfläche war. Nur Männer. Er erinnerte sich, wie zu Beginn des Abends ein paar Norweger mit Murcs und Tim über Fußball redeten. Erst jetzt bekam der Satz des einen Norweges, dass er Sebastian Schweinsteiger am besten findet, eine ganz neue Bedeutung. Die Rädchen ratterten, der Groschen fiel.

Hatte man doch so viel Spaß und war bester Laune. Und dann soll man unwissend zwei Stunden auf einer Schwulen-Fete abgerockt haben? Fried ging zu seinen Kollegen und berichtete ihnen von dem Vorfall. Vorsichtshalber zog man kurze Zeit später in den zweiten Floor. Dort war nun auch nicht mehr all zu viel los und der Karate-Ballett-Kurs konnte weiter gehen.

Als der Morgen graute, ging das Licht an - und die sechs machten sich auf den Weg. Sepp, so voll wie die Moldau selbst, hielt sein Versprechen und brachte die anderen fünf sicher zurück ins Hotel. Dort angekommen, wollte man sich das Frühstück natürlich nicht entgehen lassen. Und wie es der Zufall so wollte, saßen auch schon die anderen Nachtschwärmer an den Tischen und belegten sich ihre Brötchen mit Butter, Wurst und Honig. Nur C war nicht anwesend. Der hatte sich mal wieder am ersten Tag so abgeschossen, dass für ihn der Ausflug gelaufen war. Dénia lässt grüßen. Während des Frühstücks wurden die Erlebnisse der vergangenen Nacht erzählt und die einen mussten beichten, wie sie beim Schwarzfahren erwischt worden waren. Tja, ehrlich "fährt" nun mal am längsten. Auch in Tschechien.

 

Tag 3:

Letzter Tag. Auf dem Programm stand heute eine Brauereibesichtigung in Plzen (Pilsner Urquell). Die Fahrt dorthin dauerte etwa 80 Minuten. Oder etwa drei Bier. Die Führung selbst spielte sich folgendermaßen ab: Ankunft, parken, warten, Führerin stellt sich vor, Film gucken, rumlaufen, zuhören, rumlaufen, zuhören, rumlaufen in ganz warmen Hallen, rumlaufen in ganz kalten Hallen, zuhören, Bierprobe, rumlaufen, zuhören, Gruppenbild machen, fertig. Anschließend aß man in Tschechiens größtem Restaurant und fuhr zu guter letzt wieder nach Prag.

Um Zeit zu sparen, beschlossen Sitzi und Fried an diesem abschließenden Abend ohne große Umwege und Irrläufe direkt ins Mecca zu fahren. Wer mit wollte, schloss sich an und gegen 23:10 Uhr befand man sich dann in Prags angesagtestem Techno-Club. 200 Kronen Eintritt und fast nix los. Es wurde Schlimmstes befürchtet. Doch von Minute zu Minute wurde der Schuppen voller und voller. Das Bier war an diesem Abend am billigsten und sogar am besten. Von der Musik ganz zu schweigen. Glück gehabt. Die Nacht wurde zelebriert und zum Tage gemacht.

Der harte Kern bestand aus Tim, George, Fabi, Fried und Walle. Letztere drei waren noch etwas härter und begaben sich anschließend noch mit dem Taxi zum Wenzelsplatz. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Taxis nachts in Prag mit 180 durch die Stadt fahren. Am Wenzelsplatz war jedoch auch nicht mehr viel los - bis auf ein Trupp schwer bewaffneter Polizisten, die einen Dealer (oder was auch immer) in die Mangel nahmen - und so gingen sie müde aber zufrieden nach einem Besuch bei Mc Donalds ins Hotel. Krönender Abschluss war in Zimmer 431, wo Muck noch mit ein paar Fläschchen Bier wartete. Lange nachdem der Hahn krähte, schlummerten auch die letzten Genossen und träumten - sofern es der Vollrausch zuließ - von der vergangenen Nacht.

 

Tag 4:

Halb neun war Abfahrt. Dank Zimmer 439 wurde jedoch neun Uhr daraus und die Heimreise konnte mit einer kleinen Verspätung angetreten werden. Auf der Rückfahrt wurden an einer Raststätte noch die letzten Kronen verballert (Murcs zur Mäc-Bedienung: "Alles in Cheesburger bitte" - er legte 340 Kronen auf den Tisch und hatte anschließend 17 Cheesburger). Wann genau der Tross wieder in Alpi war, kann keiner so genau sagen. Es dürfte aber zwischen 17 und 18 Uhr gewesen sein. Das Gepäck entladen, das Töff gestürmt. So endete dieser Ausflug, von dem der eine oder andere sicher seinen Enkeln noch erzählen wird. Wenn auch - so wie hier - nur die zensierte Fassung.

 

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Persönliche Anmerkung von mir: Danke an alle, besonders an Meez, die es ermöglicht haben, dass ich an dieser Reise Teil haben durfte. Es war mir eine Ehre und es hat viel Spaß gemacht mit euch. Wer weiß, vielleicht gehen wir ja eines Tages wieder in dieser oder ähnlicher Besetzung auf Tour. Und dann gehen wir mal richtig fort! ;-)